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Das Unternehmen J. D. Schleissner Söhne in Hain-Gründau blickt auf 325 Jahre Firmentradition zurück, ein Jubiläum, das eng mit der Hanauer Stadtgeschichte verwoben ist.
In den neuen Werkstatträumen des denkmalgeschützten Hofgutes Zippur führt die Diplom-Designerin Brigitte Schleissner seit 1987 gemeinsam mit ihrer Mutter Ruth und mit ihrem Mann Wolfgang Krauss-Schleissner die Geschicke der renommierten Silberschmiede.
Nach der Gründung 1680 durch Johann Jakob Schleissner in Augsburg setzt sich die Unternehmensgeschichte ab 1816 entscheidend in Hanau fort. Mit der Rückkehr des Kurfürsten Wilhelm I. aus dem Exil beginnt nach den napoleonischen Kriegen der Aufstieg der Hanauer Silberschmiedekunst. Die reichhaltige Vergabe an bedeutenden Aufträgen für die kurfürstliche Silberkammer beflügelte die Silberwarenproduktion. Herausragende Stücke jener Zeit stammen aus der Produktion des Hauses Schleissner, einige davon sind im historischen Museum des Schloss Phippsruhe in Hanau zu bewundern.
Im Zuge der politischen Emanzipationsbewegungen, die auch in Hanau Anlauf nahmen, war Philipp August Schleissner aktiv in die Wirren der 1848 / 49-er Revolution verstrickt.
Durch die Teilnahme am badischen Aufstand blieb ihm die Rückkehr in die Heimat verwehrt. Er floh über die Schweiz nach Belgien und emigrierte schließlich in die USA. Mit frischen Impulsen aus dem Ausland kehrte er nach seiner Begnadigung 1860 in den väterlichen Betrieb zurück. Die neuen Arbeiten wurden auf der Weltausstellung bewundert und ausgezeichnet. Es war die Epoche des Historismus, die mit ihrem Rückgriff auf die Formensprache der Renaissance auch den Hanauer Betrieben neue Märkte in Europa und Übersee eröffnete. Die internationale Ausrichtung des Unternehmens wurde um die Jahrhundertwende erfolgreich ausgedehnt und eine Niederlassung in New York gegründet. Bekannt wurde der „Style Schleissner" und die Auftragsbücher verzeichneten zahlreiche Anfragen aus Fürstenhäusern rund um die Welt. Neuartige Entwürfe mit gewagten Materialkombinationen aus Kristall, Keramik und Holz belebten in den 20-er und 30-er Jahren den Markt. Doch der Zweite Weltkrieg überschattete die Existenz zahlreicher Unternehmen. Die Zerstörung des Firmengebäudes Ende 1944 bedeutete eine tiefe Zäsur, aus der sich das Unternehmen jedoch mit Idealismus und Engagement rasch erholte. Es expandierte durch Zukauf der bekannten Silberschmiede Söhnlein und erweiterte das Produktionsspektrum durch die Einrichtung einer Metalldrückerwerkstatt. Doch der Aufschwung in der Zeit des Wiederaufbaus hielt nicht lange an. Wachsender Konkurrenzdruck innerhalb der gesamten Edelmetallindustrie reduzierte in den letzten Jahren drastisch die Zahl der Hanauer Werkstätten.
Die Firma Schleissner hat sich entgegen der schwierigen Marktentwicklungen mit solider handwerklicher Qualität, kombiniert mit fortschrittlichen Produktionsverfahren und konsequentem Design, erfolgreich durchgesetzt. Sie beweist, dass ein traditionelles Kunsthandwerk wie das Ziselieren heute nichts von seiner Faszination verloren hat.
Unter den Händen eines jungen Teams entstehen kunstvolle Gebrauchsgegenstände für den gehobenen Bedarf. Die große Erfahrung aus neun Generationen bündelt sich heute in den neuen Räumlichkeiten des international operierenden Unternehmens, die viel Spielraum für aufregende Neuentwicklungen eröffnen. Denn Innovation gehört bei Schleissner zur Tradition.